Fashion Camp: Trollen, flamen, haten – das Phänomen Cybermobbing!

Blogs - von jasmin am Mittwoch, 14. September 2011 um 7:39 Uhr

Meine Session war als Diskussion geplant und wurde aber natürlich von einer Einleitung mit einigen O-Tönen und meinen persönlichen Erfahrungen geprägt. Es ging vor allem darum, die Sicht eines YouTubers in das Fashion Camp einzubringen – da die Kommentarkultur auf YouTube noch ganz andere Ausnahme annimmt, als die auf Blogs. Trolle und Flaming haben auf YouTube ein ganz anderes Potential und passieren dort zuhauf und recht unpersönlich und damit auch in erster Linie willkürlich. Sprich das sollte den wenigsten allzu sehr weh tun. Die Masse und die Heftigkeit der Schimpfwörter kann aber durchaus effektvoll sein und somit sollte man sich gut überlegen, ob diese Ecken der Online-Welt etwas für die eigene Person sind.

Natürlich war mir klar, dass ich mich mit der Betreuung einer solchen Session aufs Glatteis wage und damit eben den Hatern, die Blog / YouTube / Facebook / twitter von mir verfolgen sehr viel Angriffsfläche biete. Unpersönliche, wahllose “Kritik” (die eben nicht konstruktiv ist) berührt mich null. In der Vergangenheit hat sich herausgestellt, dass manche Kommentare von Leuten kamen, die mich mal kannten oder vom Sehen aus der Uni & Co: so etwas tut schon mehr weh. Meine “Strategie” ist einfach: nicht beachten oder diplomatisch sein. Aus Zeitgründen beantworte ich inzwischen nur noch die sinnvollen Kommentare mit Fragen zu Inhalten oder Dingen zu meiner Person, die eben nicht gerade zu privat sind.

Foto: Oleksandr

Jeder muss natürlich für sich entscheiden, wie er mit fiesen Kommentaren, Rufmord oder Beleidigungen umgeht. Aber ganz wichtig: nicht jeder “böse” Kommentar ist Cybermobbing. Manchmal verliert man auch einfach die Kritikfähigkeit. Das merke ich oft an mir selbst, denn bei negativen Reaktionen auf Outfits juckt es mir oft in den Fingern, aber das völlig zu unrecht. Klar eckt mein Stil an und es findet ihn nicht jeder gut und damit sollte man als Blogger definitiv leben können. Vielleicht haben manche Leser auch recht – vielleicht ist die beige Leggins auch nix zu den Miu Miu Sneakers und das ist eher so eine Schlafanzug-Kombi, aber hey: dafür sind Kommentare da!

Glücklicherweise habe ich in letzter Zeit nie unüberlegt zurück kommentiert und damit habe ich mir auf dem Gebiet auch nichts vorzuwerfen, aber die Gedanken bei Kritik einfach die Schotten dicht zu machen, waren da – das gebe ich zu.

Während der Session borgte ich mir unseren Rechtsexperten aus und arbeitete mit ihm noch einige wichtige Dinge heraus, dabei kamen mir aber noch mehr Fragen. Wieso geben Menschen, die weniger schmeichelhafte Kommentare ablassen (fast) NIE ihre richtige E-Mail Adresse an? Es gibt gar keine Möglichkeit für Auseinandersetzung und Feedback und Blogger sollen mit Klarnamen und voller Adresse an die Front treten. Das ist unfair und dafür muss es bald eine Lösung geben. Ein Blog ist ein Hybrid zwischen Publikation und einem undefinierbarem, weniger real zu verortenen Medium – eine virtuelle, zertifizierte Anlaufstelle könnte die Lösung sein. Vielleicht auch die Möglichkeit eine Adresse zu hinterlegen, die eben nur bei Bedarf offen gelegt wird. Darüber denke ich momentan nach.

Mehr Infos zu meiner Session findet ihr nach dem Cut!

Ansonsten möchte ich mich sehr bei Kathrin Kunze bedanken, die für das Community Management innerhalb des Webauftritts von Brigitte zuständig ist. Ich sehe definitiv den Einsatz, der dort betrieben wird und möchte das auch nicht klein reden. Trotzdem sehe ich bestimmte Themen im Kontext Mode oder Beauty deplatziert. Für mich haben Mode- und Beauty Foren momentan keine Relevanz, ich bin mit meinen Kanälen total ausgelastet und nur um weniger schmeichelhafte Dinge zu lesen, erstelle ich mir keinen Account. Das Thema hat in Bloggerkreisen natürlich Relevanz – was auch mit Traffic und Fame zu tun hat. Brauch ich beides ebenso nicht unbedingt aus dieser Ecke und damit verzichte ich, möchte aber betonen, dass Foren sich auch inzwischen monetarisieren und genau mit diesen Threads einen Großteil des Traffics machen – ihr “lästert” die Betreiber also ein gutes Stück reicher, das kann auch was positives sein.

Blogs im Gossip Girl-Format sind keine neue Idee und sprechen das an, was viele denken. Klar schwebt das irgendwo zwischen Stilkritik und Übertreibung und muss vielleicht nicht unbedingt sein. Aber das ist ja wie mit der Bildzeitung.

Ausgeklügelte Strategien zum Umgang mit Trollen sind nichts für mich. Das Anlegen von verschiedenen Fake Accounts und die Beschäftigung mit der Materie raubt mir sonst zu viel Kraft. Es kostet viel Zeit und Kraft neben Job & Co den Blog wie gewohnt fortzuführen beziehungsweise die Frequenz sogar noch zu verbessern. Aus diesem Grund kümmere ich mich lieber um die unterstützenden und fragenden Kommentare und Mails: da hat jeder was davon!

Neben all dem Geflame möchte ich mich natürlich auch an dieser Stelle bei allen Gönnern und Sympathisanten bedanken! Ich war überwältigt vom Feedback zur Session und bin froh, dass ich mich getraut habe ;)

Es folgen:

Session 3: From Blog to Brand mit Lukas & Stefan von stylishkidsinriot, Anna Frost und kathrynsky

Session 4: Unternehmen und ihr Umgang mit Social Media mit Julia / fanfarella

Session 5: Wien als Modestadt? Mit Daniel Kalt


  • Maxi sagt:

    Toll geschrieben Jasmin! Sehr gut :)

  • Kirschblüte sagt:

    danke, dass du da warst. dein beitrag war sehr interessent!

  • nicole sagt:

    ein toller artikel. wirklich! :)

    la tiquismiquis
    http://tqsm.blogspot.com

  • Mila Tobien sagt:

    fand deinen vortrag auch sehr gut, ebenso den artikel. finde ich toll, dass jemand mit (wenn auch schlechter) erfahrung in diesem bereich mal darüber redet!

  • Lotta sagt:

    Hi Jasmin, ich habe mir gestern auch den Stream angeschaut und fand die „Diskussion“ sehr interessant, habe mir danach einmal die Kommentare zu einem deiner Youtube Videos angeschaut (Kommentare bei Youtube interessieren mich meist nicht, sondern das Video) und ich muss sagen, „man die sind teilweise mehr als heftig“. Da kann man sich nur drüber wundern. Natürlich hast du recht mit dem was du sagst, schlechte Presse ist auch irgendwie Presse, das habe ich gestern am eigenen Leib spüren dürfen (übertrieben gesagt), denn durch die Konversation deines gestrigen Posts zwischen mir und C. hatte ich massig Traffic auf meinem Blog. Hätte ich Werbung auf meinem Blog, hätte ich einen netten Nebenverdienst im September gehabt 
    Ich glaube die „einfachste“ Lösung kann nur sein, ignorieren und wie du sagst versuchen so gut es geht diplomatisch zu sein. Mach weiter so.

  • Julia sagt:

    Huhu Jasmin,

    Vielleicht solltest du dich einfach nicht so wichtig nehmen….dein style ist sehr aussergewoehnlich und nicht immer sehr vorteilhaft, ist es nicht klar, wenn man daher läuft wie ein Clown das es nicht immer allen gefällt;) damit musst du doch aber rechnen, wenn du viel von dir dir preis gibt…willst du belogen werden??? Mir gefiel zum Beispiel die haare in blond viel besser, als das rot und der schwere Pony…es passt einfach nicht so zu dir…

    Lg julia

  • jasmin sagt:

    @Lotta du hast Post ;)

  • Lotta sagt:

    Hey Jasmin, ich habs gesehen – merci:-)
    @Julia, puh ich will hier gar keine Partei ergreifen und jeder hat seine Meinung aber findest du es gerecht, das äußere eines Menschen als “clownhaft” zu bezeichnen? Das finde ich ganz schön unfair. Also wenn Jasmin wie ein Clown rumläuft dann muss ich sagen, tue ich das auch -aber hey @Jasmin, dann können wir – wenn jobtechnisch mal nichts mehr geht – zum Zirkus gehen. Stell ich mir schön vor ;-)

  • Lotta sagt:

    PS: Bangs rule :-)

  • Lila sagt:

    Super Beitrag!
    Ich gehöre eher zu den Menschen die z.B. einen außergewöhnlichen Stil interessant finden anstatt ihn ohne Grund zu verurteilen. Mir ist es bis heute schleierhaft was es jemandem bringt, andere Leute fertig zu machen. Vorallem auf so eine feige Art! Warum klickt man nicht einfach auf das kleine rote Kreuz in der Ecke wenn was nicht gefällt? Bleib so wie du bist und behalte deinen Mut anders zu sein. Du hast mich schon oft inspiriert!

  • Ich sagt:

    Also Lotta nimmt sich und ihr Blog aber sehr wichtig :D

    Jasmin, ich fands nur schade, dass der Rechtsexperte mehr als du geredet hat! Hätte an der Stelle gern mehr von dir gehört!

  • Erdbeerplunder sagt:

    Hi Jasmin,
    ich finde es wirklich super, dass Du Dich diesem Thema annimmst. Ich finde es einfach nur scheiße, wenn Leute einfach aus Lust & Laune andere Leute fertig machen und das meist noch anonym, weil ihnen der Mut dazu fehlt, es öffentlich zuzugeben. Aber man muss immer im Hinterkopf haben: es gibt noch viel mehr Leute, die hinter einem stehen und es einfach nur toll finden was man macht. und was Du machst ist toll!

    http://erdbeerplunder.blogspot.com

  • Anne sagt:

    Hallo Jasmin,
    ich finde auch super das sich endlich mal jemand mit dem Thema beschäftigt hat.
    Also großes Lob an dich, dafür und auch für deine Youtubevideos!

  • coco sagt:

    Kennt ihr das, es gab irgendwo einen Unfall, fährt dran vorbei, mag nicht gucken, aber ganz automatisch sieht man hin, genauso ist es doch hier auch, sitze bei der Arbeit und die Kollegin kommt, sieh mal die sieht wieder aus wie ein Zirkuspferd… da geht man dann automatisch drauf und denkt sich ein paar Minuten ohhh scheisse:) so auf der Straße… arrghhhhh… aber es ist doch jeden selbst überlassen, was und wieviel er Prei gibt… manche haben ein hohes Bedürfnis immer im Mittelpunkt zu stehen, die werden wahrscheinlich kaum negative Kritik bekommen, als wirklich jemand, der alle 12 Minuten bei Twitter postet und alles der Welt mitteilen muss. Wenn man so Probleme hat, das nicht jeder das Outfit, die Haare, die Pferdeschnute oder so mag, dann ist vielleicht bloggen nicht das richtige… Was macht ihr bei der Arbeit, das sind doch auch nicht immer alle dafür, was ihr macht.. seit ihr dann auch beleidigt und rennt zum Betriebsrat???

  • coco sagt:

    kleiner Nachtrag nicht auf Jasmin bezogen, war ein allgemeiner Post…. also mädels nicht wieder Kammerflimmern bekommen….

  • Sylvia sagt:

    Hej Jasmin!

    Nach diesem Beitrag verspüre ich den dringenden Wunsch, dir zu sagen, dass ich das, was du machst, ganz wunderbar finde und du eine herrlich souveräne, aber dennoch sehr bescheidene und authentische Art hast. Bleib’ so, du machst das toll! Die Ohren auf Durchzug und eine gepflegte Coolness bei destruktiver Kritik sind genau die richtige Reaktion.

    Alles Gute!

  • Fae sagt:

    Und Sylvia hat`s auf den Punkt gebracht.
    Ich kann mich Ihrem Kommentar nur voll und ganz anschliessen:
    Jasmin, mach bitte weiter so, Du machst es ganz richtig!


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